Antiquitäten
Flohmärkte, Online-Auktionshäuser, Dachböden und Wohnungsräumungen haben eines gemeinsam: Eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf jene, die es auf Antiquitäten abgesehen haben. Wer einmal dem Charme des Alten, Antiken, Gebrauchten verfallen ist, kommt nur schwer wieder davon los und wird wahrscheinlich mit der Zielstrebigkeit des wahren Sammlers Wohnung oder Haus mit liebevoll restaurierten Kästen, schrulligen Erinnerungsstücken und uraltem Kinderspielzeug ausstatten.
Antiquitäten sind, streng nach Definition, Gegenstände die mindestens einhundert, manchmal auch nur fünfzig Jahre alt - und sammelnswert sind. Und sammelnswert scheint recht viel zu sein, betrachtet man die Gegenstände, an die Menschen ihr Herz verlieren: Von Teekannen über Bilder, Gebrauchsgegenständen aus dem Haushalt oder verschiedenen Berufen bis zu Kinderwägen wird so ziemlich alles gekauft, was jemals hergestellt wurde. Als Faustregel gilt: Je weniger Exemplare davon noch vorhanden sind, desto teurer wird es! Zusätzliches Geld legt der wahre Sammler gern für aufwändig in Handarbeit hergestellte Teile hin. Wer es besonders erlesen schätzt, spezialisiert sich vielleicht auf antike Kunst und träumt von einer altrömischen Vase – die aber aufgrund ihrer Herkunft aus einer archäologischen Grabung vielleicht für den freien Handel gar nicht zugelassen ist.
Wo die Grenze zwischen Antiquitäten, Sammlerstücken und – zugegeben oft recht dekorativem - Kitsch verlaufen, ist manchmal schwer zu sagen und nicht einmal für Experten klar zu definieren. Dazu kommen persönliche Geschmäcker, die ja bekanntlich verschieden sind - wer sich auf Mobiliar aus der Zeit des 19. Jahrhunderts spezialisiert hat, rümpft über Art Deco vielleicht die Nase, während die Röhrenradio- und Handtaschen-Sammler entrüstet jedes Stück des falschen Herstellers zurückweisen. Und was für den einen unbrauchbarer Schrott, ist für den anderen ein teuer bezahltes und heißgeliebtes Stück Erinnerung an die gute, alte Zeit…